Tannengestecke für die Kriegstoten - 350 Schüler schmücken Gräber auf dem Nordfriedhof
Schülerinnen der Klasse 9b der Marienschule legen ihre Gestecke nieder. Zwölf Schulen beteiligten sich an der traditionellen Vorbereitung auf den Volkstrauertag. Foto: Hartmann
nec) Sabine Meschkat-Peters vom Volksbund in Hannover ist beeindruckt vom Einsatz der Hildesheimer Schüler. ”Ich finde es schön, dass diese Art zu gedenken in Hildesheim eine solche Tradition hat.“ Rund 350 Schüler kamen im Verlauf des Freitagvormittages. Für den Volkstrauertag schmückten sie die Kriegsgräber auf dem Nordfriedhof mit schlichten Tannengestecken.
Zwölf Schulen hatten sich beteiligt, fast jede Schulform war vertreten. Zusammen mit ihrem Hildesheimer Kollegen Björn Gryschka nahm Meschkat-Peters die Klassen im Halbstundentakt am Eingang des Friedhofes in Empfang. In diesem Jahr sollte besonders der Toten des Ersten Weltkrieges gedacht werden. Immerhin jährt sich die Schlacht um Verdun zum 90. Mal. ”Viele derer, die damals starben, waren in eurem Alter“, sagt Gryschka eindringlich.
”Das kann man sich gar nicht vorstellen“, findet die 17-Jährige Caroline Könneker von der Friedrich-List-Schule. Ihr Geschichtslehrer Egbert Schendel engagiert sich seit vielen Jahren für das Thema. Unter seiner Leitung haben Schüler des Fachgymnasiums Gedenktafeln für die Kriegsgräberstätten hergestellt. Der Lehrer lässt auch die heiklen Seiten des Volkstrauertages nicht aus: ”Wo ihr eure Gestecke niederlegt, müsst ihr euch selbst überlegen. Hier liegen die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, könnte natürlich sein, dass sich auch überzeugte Nazis darunter befinden“, versucht er, seine Schüler zu provozieren. Doch die wissen, worauf er hinaus will: ”Viele wurden gezwungen und einfach einberufen. Außerdem waren das jawohl auch Menschen, oder?“, pariert der 16-jährige Björn Boldorf. Auch die Vertreter des Volksbundes gehen mit dem zwiespältigen Erbe offen um. ”Unter den Nazis ist der Volkstrauertag als Heldengedenktag instrumentalisiert worden. Heute geht es nicht mehr darum, Soldaten zu glorifizieren, sondern darum, aller Opfer des Krieges zu gedenken“, hatte Björn Gryschka in seiner Eröffnungsrede gesagt.
Die Gedenkstunde zum Volkstrauertag beginnt am morgigen Sonntag um 11 Uhr in der Rathaushalle. Im Anschluss wird gegen 12 Uhr auf dem Nordfriedhof ein Kranz niedergelegt.

Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 18.11.2006