• "Was heißt hier Frieden!?" - Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Kreishaus Stadthagen

Frieden und Demokratie sind in Gefahr, wenn politisches Desinteresse und extremistisch motivierte Gewalt in der Gesellschaft zunehmen. Kann man aus der Geschichte für die Gegenwart und Zukunft lernen? Und wie kann man junge Menschen motivieren, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen? Diese Fragen sind Ausgangspunkt für das Entstehen der Ausstellung „Was heißt hier Frieden?!“, die noch bis Sonntag, 17. September, im Foyer des Landkreises Schaumburg zu sehen ist. Ziel dieser Ausstellung ist es vor allem, jungen Menschen komplexe Themenstellungen wie Toleranz, Vorurteile, Gewalt und Gedenkkultur jugendgerecht zu vermitteln.

„Einige Ausstellungen grenzen sich von anderen deutlich ab – das hier ist so eine“, lobte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier das Konzept während der Eröffnungsfeier. Der jugendgerechte Ansatz sei genau richtig, „ denn bereits an den Schulen begegnen sich die Kulturen“. Die Ausstellung rege dazu an, Denkprozesse anzustoßen und über den Tellerrand hinauszuschauen. „ Vorurteile führen in die Gewalt, deshalb müssen wir mit aller Kraft versuchen, sie abzubauen“, sagte der Landrat.

Auch Werner Vehling, Vorsitzender des Kreisverbandes Schaumburg des Volksbundes, lobte die „zeitgemäße Form der Erinnerung an Opfer von Kriegen und Gewalt“. Nur auf spielerische und moderne Weise könne man die Jugendlichen erreichen. Bei dieser Gelegenheit erinnerte er daran, dass Schüler des Adolfinums und der Herderschule in Bückeburg Geschichts- und Erinnerungstafeln auf dem Friedhof an der Schreier Straße gestaltet haben. Das sei ein vorbildlicher Umgang mit authentischen Zeugnissen des Gedenkens
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Regierungsvizepräsident a. D. Karl-Heinz Mönkemeyer betonte während der Ausstellungseröffnung, wie eindrucksvoll es für junge Menschen sei, mit Jugendlichen aus andern Ländern vor einem riesigen Gräberfeld zu stehen. Nur so könne man den jungen Leuten Toleranz vermitteln und sie zur Friedfertigkeit erziehen. Sabine Meschkat-Peters, Schulreferentin des Bezirksverbandes Hannover des Volksbundes, erläuterte, dass ein reflektierter Umgang mit der Geschichte die Leitidee der Ausstellung ist. Sie ging auf den aktuellen Historikerstreit ein, der einen „ Kampf der Erinnerungen“ austrage.

Die promovierte Historikerin machte einen kleinen Exkurs in die Weimarer Republik, und fragte provokant, ob das Eis, auf dem man sich in dieser für die Deutsche Geschichte verheerenden Zeit bewegt habe, nicht heute genauso dünn sei. Eine zeitgemäße Form der Erinnerung sei daher besonders wichtig, um Vorurteile abzubauen und Kriegen und Gewalt vorzubeugen. Hinzu komme, dass die echten Zeitzeugen immer weniger werden. Genau da setzt die Ausstellung an. Sie kann montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr besucht werden.

Schaumburger Nachrichten vom. 09.09.2006