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Wunstorfer Stadtanzeiger
v.
29.05.2008
Auflage:
31.400
"Sag wo die Soldaten sind..." Otto-Hahn-Schule erhält Silberne Anerkennungsplakette des Volksbundes/Ausstellung
Wunstorf(sowi).Wer noch das Ende oder die Spuren des zweiten Weltkrieges erlebt hat oder an Angehörige, die nicht wieder zurückgekehrt sind denkt, dem ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein Begriff. Der Volksbund sorgt für die Pflege und Erhaltung der Kriegsgräberstätten in Europa, betreibt Nachforschungen und die Identifizierung der Gefallenen und konnte manchen Angehörigen die Gewissheit geben, wo der Ehemann, Vater oder Bruder ruht. Unter dem Motto: "Arbeit für den Frieden" werden junge Menschen in die Gräberpflege einbezogen, internationale Camps zur Verständigung, der Bildung von Freundschaften und des Nichtvergessens veranstaltet. Das kostet natürlich Geld und deshalb findet alljährlich im November eine Straßensammlung des Volksbundes statt. "Wenn dann die Sammler hören: ‚Ich bin gegen den Krieg, ich gebe nichts‘ oder ‚Das ist schon so lange her, das muss man mal ruhen lassen‘ wird deutlich, dass jeder Krieg mit der Zeit seine Unmittelbarkeit verliert", sagte Karl-Heinz Mönckemeyer, Bezirksvorsitzender des Volksbundes während einer Feierstunde, in der die Otto-Hahn-Schule mit der Urkunde und der Silbernen Anerkennungsplakette des Volksbundes ausgezeichnet wurde. Mit ihrer Arbeit für den Frieden und gegen dasVergessen engagieren sich seit zwölf Jahren Schülerinnen und Schüler der Otto-Hahn-Schule am Futa-Pass in Italien mit der Pflege eines großen Soldatenfriedhofes. Gleichzeitig gestalten Schülerinnen und Schüler die zentrale Feierstunde des Volkstrauertages in Wunstorf und Mönckemeyer würdigte dieses Engagement junger Menschen. Die Ausstellung "Was heißt hier Frieden?!" ist bis zum 6. Juni in der Aula der Otto-Hahn-Schule, Gebäude II, von 8 bis 15 Uhr, zu sehen.
Die Schulleiterin der Otto-Hahn-Schule, Helga Radtke, zitierte Albert Schweitzer mit den Worten "Kriegsgräber sind die Prediger des Friedens", die eine große verpflichtende Botschaft für die gesamte Welt enthalten. Und trotzdem gibt es ständig neue weitere Kriegsgräber - auch in Europa. Sie mahnte vor falscher Selbstgewissheit, dass dies in Mitteleuropa nicht wieder geschehen könnte. Die Gefahr des zerstörerischen Fanatismus religiös-kultureller, ethnischer oder nationalistischer Quellen prägen zunehmend das Weltgeschehen und daraus wachsen ständig neue Konflikte, Kriege, Friedhöfe. Konflikte lassen sich nicht verhindern - sie sind Bestandteil des menschlichen Lebens. Aber es kommt darauf an, sie nicht eskalieren zu lassen. Deshalb sollte immer, wo möglich, der notwendige Beitrag zur Völkerverständigung geleistet werden. Und das beginnt schon beim Gespräch mit dem Nachbarn, beim Verhalten gegenüber dem Ausländer, zu Menschen aus anderen Kulturen. Die Vertiefung der Freundschaft, der Zusammenarbeit in Europa ist eine Daueraufgabe. Vor zwölf Jahren haben es sich die Lehrkräfte Helga Weiß und Jürgen Maurer mit Unterstützung des damaligen Rektors Klaus Noga zur Aufgabe gemacht, die Ursachen von Krieg und deren Folgen aufzuarbeiten und damit die Arbeit am Futa-Pass begonnen. "Dahinter verbirgt sich viel mehr", betonte die Schulleiterin. "Spurensuche: Woher kommen die Soldaten? Geschichtliche Informationen über die Zeit vor 60 Jahren, Informationen über die Toscana, Kulturelles, Geographisches, kleine italienische Sprachkunde und das Mahnmal in Wunstorf als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit der Thematik. "Unsere Schüler verstehen die Sprache der Gedenkstätte - sie vermittelt Verständigung, Toleranz und Engagement", sagte Jürgen Maurer.
Gleichzeitig mit der Übergabe der Auszeichnung wurde in der Aula des Gebäudes II der Otto-Hahn-Schule eine Ausstellung des Volksbundes "Was heißt hier Frieden?!" eröffnet. "Sie gibt Antworten und Erinnerungen für die Zukunft" betonte die Schulreferentin Dr. Sabine Meschkat-Peters während eines Rundgangs.
Mit der Schulband unter der Leitung von Wilfried Strobel und Musiklehrerin Kerstin Petersen wurden die Ansprachen mit Gesangs- und Liedbeiträgen "Sag mir wo die Blumen sind" und "How many roads" umrahmt. Besonderen Applaus erhielt Alina Budina mit ihrem ausgezeichneten Solovortrag "We shall overcome". Als weitere Anerkennung darf die Otto-Hahn-Schule künftig in ihren Briefverkehr das Logo "Partnerschule des Volksbundes - Arbeit für den Frieden" führen.
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