Wunstorfer Stadtanzeiger v. 20.09.2007

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: Weitere Verstärkung der Jugendarbeit als wichtiges Ziel
Stadtanzeiger im Gespräch mit dem neuen Bezirksgeschäftsführer

Region -pot- Beim Bezirksverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich ein Führungswechsel vollzogen. Der bisherige und sehr verdienstvolle Geschäftsführer Karsten Richter scheidet aus und übernimmt neue Aufgaben im Bereich des Verbandes. Er wird bei der nächsten und bereits 32. Musikparade der Nationen in der hannoverschen TUI-Arena, die am 14. und 15. Oktober stattfindet, offiziell verabschiedet. Sein Nachfolger ist Oberst a.D. Manfred Pape, der nach einer 40-jährigen Dienstzeit aus der Bundeswehr ausgeschieden ist. In seiner letzten Verwendung war er Kommandeur des neu aufgestellten Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Da die Arbeit auf Bezirksebene sowohl für den Wunstorfer Stadtverband wie auch die einzelnen Ortsverbände von ausschlaggebender Bedeutung ist, führten wir mit dem neuen Geschäftsführer das nachfolgende Gespräch.
Stadtanzeiger: "Der Wechsel von einem hohen Kommando der Bundeswehr zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kann eigentlich nur dann wirklich sinnvoll sein, wenn der davon Betroffene auch schon vor dieser Zeit enge Kontakte zum Verband hatte."
Manfred Pape: "Das stimmt und ich kann das für mich tatsächlich in Anspruch nehmen. Ich habe über 40 Jahre hinweg auf den verschiedensten Gebieten eng mit dem Volksbund zusammengearbeitet. So war ich zum Beispiel am Anfang selbst in der Kriegsgräberpflege und Kriegsgräberfürsorge aktiv tätig, und haben unter anderem nach meinem Bauinginieurstudium bei den Pionieren auch Bauleitungen im Bereich der Kriegsgräberfürsorge übernommen. Des Weiteren habe ich selbstverständlich in meinen Kommandeurs-Verwendungszeiten die Arbeit des Volksbundes unterstützt."
Stadtanzeiger: "Bei allen ihren Tätigkeiten und Einsätzen werden sie sich natürlich immer gefragt haben, wie wichtig die Arbeit und das Wirken des Volksbundes in der heutigen Gesellschaft ist? Glauben Sie, dass sie heute noch genügend Rückhalt hat und nach wie vor eine Institution ist, auf die nicht verzichtet werden kann?"
Manfred Pape: "Davon bin ich überzeugt. Der Volksbund ist insbesondere unvermindert wichtig, weil die Zeitzeugen, also die Generationen, die den schrecklichen Zweiten Weltkrieg erlebt haben, aus biologischen Gründen immer weniger werden. Zwar hat die nachfolgende Generation, zu der auch ich gehöre, zwar sehr viel darüber erfahren und gehört, aber was danach kommt, muss über die Kriegsgräberfürsorge, Kriegsgräberpflege, Versöhnung über den Gräbern im Gedächtnis und im Gedenken an die furchtbaren Ereignisse wachgehalten werden. Wir müssen dieses Wissen als Mahnung allen nachfolgenden Generationen mit auf den Weg geben."
Stadtanzeiger: "Ist das nicht letztlich eine Aufgabe des Staates, über die er sich, ähnlich wie das bei den Amerikanern geschieht, selbst zu kümmern hat?"
Manfred Pape: "Im Grunde genommen ist das ja auch bei uns eine Aufgabe, die vom Staat wahrgenommen wird und für die er sich mitverantwortlich fühlt. Die Gründung des Volksbundes ist ja auf staatliche Initiative zurückzuführen. Der Staat kann zwar selbst erforderliche Mittel zur Verfügung stellen, die Träger der eigentlichen Arbeit, nämlich der Versöhnung, müssen jedoch aus der Gesellschaft kommen."
Stadtanzeiger: "Sicherlich muss man davon ausgehen, dass die Arbeit des Volksbundes heutzutage nicht leichter, sondern im Gegenteil immer schwerer wird?"
Manfred Pape: "Es wird immer schwieriger, die Menschen zur Mitarbeit zu motivieren beziehungsweise sie überhaupt für diese Aufgaben zu interessieren. Wir unternehmen gerade in der Region Hannover ganz große Anstrengungen, an die junge Generation heranzukommen. Eigens dafür haben wir Jugend- und Schulreferenten eingestellt. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, in enger Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Verbänden internationale Workshops zu organisieren, in denen Jugendliche aus den verschiedensten Nationen zusammen kommen. Sie sollen dabei zugleich andere Kulturen kennenlernen und respektieren. Das ist ein wichtiges, praktisches Beispiel für eine Völkerverständigung und Versöhnung."
Stadtanzeiger: "Wie wir wissen, ist dem Volksbund der Einstieg in die Schulen schon vor einiger Zeit gelungen. Die Frage ist, wie sich dieses Zusammenwirken entwickelt hat? Sind hier von Seiten des Volksbundes noch einige Wünsche offen?"
Manfred Pape: "Die bereits erwähnten Schulreferenten haben wir seit rund drei Jahren. Unser früherer Vorsitzender, Generalmajor a.D. von der Recke, hat sich sehr stark dafür engagiert. Die zwischenzeitlich erzielten Erfolge haben gezeigt, dass das genau der richtige Schritt in die Zukunft war. Unsere derzeitig wichtigste Aufgabe sehen wir darin, noch mehr Kontaktlehrer zu bekommen. Ebenfalls gut angelaufen ist die Herstellung von Gedenk- und Erinnerungstafeln für Kriegsgräberstätten durch Jugendliche unter anderem unter der Leitung von Geschichtslehrern. Einige wurden bereits aufgestellt, so zum Beispiel in Hildesheim, weitere befinden sich in Arbeit."
Stadtanzeiger: "Herr Pape, wo sehen Die die Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit für den Volksbund?"
Manfred Pape: "Die sehe ich in erster Linie in der weiteren Verstärkung der Jugendarbeit und zum anderen müssen wir die Musikparade der Nationen in ein Fahrwasser bringen, das es uns ermöglicht, auch in Zukunft einen Reinerlös erzielen zu können. Nur das allein rechtfertigt unsere großen Anstrengungen. Im Augenblick ist es leider so, dass die Mietkosten für die TUI-Arena und die Betriebskosten sehr stark zubuche schlagen. Wir werden im nächsten Jahr in die AWD-Halle umziehen, also in die ehemalige Stadion-Sporthalle, in der die Bedingungen für uns wesentlich günstiger und auch der gesamte Rahmen viel familiärer und ansprechender ist."
Stadtanzeiger: "Herr Pape, wir bedanken uns für das Gespräch."

 



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