Täglicher Anzeiger Holzminden v. 01.11.2006
Auflage: 12.400

"Ein Kampf gegen das Vergessen"
Schüler der HRS Eschershausen erstellen Gedenktafeln für den Ehrenfriedhof Holzen

Holzen (nig). "Erst durch die Beschäftigung der Schüler mit der lokalen Geschichte erhält diese Gedenkstätte die Bedeutung, die ihr zusteht." Klaus Volker Kempa als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge brachte es auf den Punkt. Denn hinter dem ganzen Projekt, das zwei Schuljahrgänge der WiIhelm-Raabe-Schule Eschershausen viele Monate beschäftigte, steckt viel mehr, als es die neuen Geschichts- und Erinnerungstafeln am Ehrenfriedhof Holzen auf den ersten Blick vermuten lassen.

In einer Feierstunde mit großer Beteiligung wurden die beiden Tafeln gestern eingeweiht. Sie sollen Besucher an das Zwangsarbeiter-Lager bei Holzen und das Schicksal der hier bestatteten Toten erinnern.
Intensiv arbeiteten sich die Schüler der Jahrgänge Neun/Zehn in die Zeit des Zweiten Weltkrieges ein, lasen in historischen Büchern und Erinnerungen von Zeitzeugen, vergli chen ihre Informationen mit anderen Quellen. Ihre Erkenntnisse und Eindrücke in Form von nur zwei Info-Tafeln zusammenzufassen, war eine weitere Herausforderung. Zudem mussten die Schüler klären, ob an dieser Stelle überhaupt solche Tafeln aufgestellt werden durften. Für die Finanzierung konnte schließlich die Nord/LB als Sponsor gewonnen werden.
Für das Ergebnis ernteten die Schüler gestern Lob von vielen Seiten. Unterstützt wurde das Projekt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Für uns ist es ganz wichtig, den Verstand und die Herzen der Jugendlichen zu erreichen", sagte Karl-Heinz Mönkemeyer als Vorsitzender des Bezirksverbandes. Das Projekt reihe sich ein in ein vom Volksbund in ganz Niedersachsen verfolgtes Konzept, insbesondere junge Menschen für die lokale Geschichte zu sensibilisieren, Erinnerungen wachzuhalten und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Vorteil dieses Schülerprojektes: "Die Jugendlichen erschließen sich die Geschichte selber".
Hinter jedem einzelnen Gedenkstein des Ehrenfriedhofes stehen persönliche Schicksale. Darauf wies Dr. Sabine Meschkat-Peters als Schulreferentin des Volksbundes hin. "Es ist eine wichtige Arbeit, die Ihr geleistet habt", lobte sie die Schüler. Insbesondere die Art der Texte, die "emotionalen Berichte", haben sie sehr berührt. ,,Man kann sehr viel erfahren, wenn man beginnt, in die Geschichte einzutauchen. "
Eine Erkenntnis nehmen die Schüler ebenso mit wie die Betrachter der Tafeln in Holzen: "Dass es sich lohnt, immer wieder für den Frieden zu arbeiten", so Karl-Heinz Mönkemeyer, der hofft, dass sich noch möglichst viele Besucher am Ehrenfriedhof von der eindrucksvollen Arbeit der Schüler überzeugen.

 



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